Praktischer Leitfaden

Den Energiepass in Luxemburg verstehen

Ihr Energiepass enthält viel mehr als nur einen Buchstaben. Lernen Sie, die drei Klassen, die Werte in kWh/m²/Jahr und die CO₂-Emissionen zu lesen, um Ihre Immobilie besser zu verstehen – und aufzuwerten.

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Die 3 Achsen des Energiepasses

Im Gegensatz zu Belgien, das nur einen Indikator verwendet, bewertet Luxemburg Ihr Gebäude nach drei sich ergänzenden Dimensionen, jeweils klassifiziert von A+ bis I.

  • Energieeffizienzklasse
    kWh/m²/Jahr

    Primärenergiebedarf

Wichtigster Indikator, der in Immobilienanzeigen angegeben wird. Er misst die gesamte vom Gebäude verbrauchte Energie (Heizung, Warmwasser, Lüftung) bezogen auf die Wohnfläche. Je niedriger der Wert, desto sparsamer das Gebäude.

Beispiel: Eine Immobilie mit 101 kWh/m²/Jahr verbraucht durchschnittlich 101 kWh Primärenergie pro Quadratmeter und Jahr – das entspricht Klasse D.

  • Diese Klasse hängt sowohl von der Dämmung als auch vom Heizsystem ab.
  • Wärmedämmklasse
    kWh/m²/Jahr

    Heizwärmebedarf

Misst die Energiemenge, die erforderlich ist, um eine angenehme Innentemperatur durch Ausgleich der Wärmeverluste (Wände, Dach, Fenster, Böden) aufrechtzuerhalten. Je niedriger dieser Wert, desto besser die thermische Gebäudehülle.

Beispiel: Ein Bedarf von 37,7 kWh/m²/Jahr bedeutet eine ordentliche Dämmung – Klasse C. Ein Neubau zielt auf weniger als 15 kWh/m²/Jahr (Klasse A).

  • Eine bessere Dämmung (Dach, Fassade, Fenster) senkt diesen Wert direkt.
  • Umweltleistungsklasse
    kg CO₂/m²/Jahr

    CO₂-Emissionen

Quantifiziert die Umweltbelastung des Gebäudes durch Messung der CO₂-Emissionen aus dem Energieverbrauch. Ein mit fossilen Brennstoffen (Heizöl, Gas) beheiztes Gebäude emittiert mehr als eines mit Wärmepumpe oder Solaranlage.

Beispiel: 22,6 kg CO₂/m²/Jahr bedeutet, dass jeder Quadratmeter 22,6 kg CO₂ pro Jahr verursacht – ein mittleres Niveau.

  • Der Wechsel von Heizöl zu einer Wärmepumpe kann 2 bis 3 Klassen besser ergeben.
Energieskala

Die luxemburgische Skala: von A+ bis I

Luxemburg verwendet eine Skala mit 10 Klassen, detaillierter als die belgische (A bis G). Sie gilt für alle drei Achsen des Passes: Primärenergie, Wärmedämmung und CO₂-Emissionen.

A+
Nahezu-Nullenergiegebäude (nZEB)
≤ 0 kWh/m²/Jahr
A
Höchste Effizienz – Neubaustandard
≤ 45 kWh/m²/Jahr
B
Hohe Effizienz – vorbildliche Sanierung
≤ 75 kWh/m²/Jahr
C
Gute Effizienz
≤ 110 kWh/m²/Jahr
D
Durchschnittliche Effizienz
≤ 150 kWh/m²/Jahr
E
Unzureichende Effizienz
≤ 210 kWh/m²/Jahr
F
Schlechte Effizienz
≤ 285 kWh/m²/Jahr
G
Sehr schlechte Effizienz
≤ 375 kWh/m²/Jahr
H
Energetisches Schrotthaus
≤ 480 kWh/m²/Jahr
I
Kritischer Energiefresser
> 480 kWh/m²/Jahr

Neubauten

Seit 2017 muss jeder Neubau in Luxemburg mindestens Klasse A bei der Primärenergie erreichen (nZEB – Nahezu-Nullenergiegebäude).

Bestandsbauten

Die meisten bestehenden Wohnungen liegen zwischen den Klassen D und G. Eine gezielte energetische Sanierung (Dämmung + Heizung) kann 2 bis 4 Klassen verbessern.

Jahresverbrauch und CO₂-Emissionen

Über die Klassen in kWh/m²/Jahr hinaus enthält Ihr Pass auch die absoluten JahreswerteIhres Gebäudes, bezogen auf die gesamte Fläche.

Primärenergiebedarf
kWh/Jahr

Gesamter Primärenergieverbrauch über ein ganzes Jahr für das gesamte Gebäude, alle Nutzungen einbezogen (Heizung, Warmwasser, Lüftung).

Beispiel: 24.790 kWh/Jahr

Absolutwert – abhängig von der Gebäudegröße. Nicht zu verwechseln mit dem Wert in kWh/m²/Jahr, der auf die Fläche bezogen ist.

Heizwärmebedarf
kWh/Jahr

Energie, die ausschließlich zum Heizen des Gebäudes verbraucht wird, ohne Warmwasser und sonstige Nutzungen. Spiegelt die Qualität der Gebäudehülle wider.

Beispiel: 9.232 kWh/Jahr

Je niedriger dieser Wert im Verhältnis zum Gesamtwert, desto besser die Dämmung des Gebäudes.

Jährliche CO₂-Emissionen
Tonnen CO₂/Jahr

Gesamtmenge des in einem Jahr ausgestoßenen Kohlendioxids, direkt abhängig von der verwendeten Energieart (fossil vs. erneuerbar).

Beispiel: 5,5 Tonnen CO₂/Jahr

Ein durchschnittlicher Haushalt in Luxemburg emittiert rund 6 Tonnen CO₂/Jahr für die Heizung.

Photovoltaik-Gutschrift
kWh/Jahr

Solarstromerzeugung der Photovoltaikanlage, die vom Primärenergiebedarf abgezogen wird. Verbessert direkt die Energieklasse.

Beispiel: 3.500 kWh/Jahr

Ohne Anlage beträgt dieser Wert 0 kWh/Jahr. Solarpaneele können 1 bis 2 Klassen verbessern.

Standardisierte Werte ≠ tatsächlicher Verbrauch

Alle Werte des Passes werden nach standardisierten Bedingungen berechnet (Standardklima, konventionelle Nutzung, feste Solltemperatur), um den Vergleich zwischen Gebäuden zu ermöglichen. Ihr tatsächlicher Verbrauch kann je nach Gewohnheiten, Bewohnerzahl und Wetter im jeweiligen Jahr höher oder niedriger sein.

Sanktionen bei Fehlen

Wer bei einer Immobilientransaktion keinen gültigen Energiepass vorlegen kann, setzt sich als Eigentümer ernsthaften Konsequenzen aus:

  • Verwaltungsstrafe

    Gemäß großherzoglicher Verordnung vorgesehen, kann sie von den zuständigen Behörden verhängt werden.

  • Blockierung der Transaktion

    Die notarielle Urkunde kann ohne Energiepass nicht unterzeichnet werden, was Verkauf oder Vermietung verzögert.

  • Nicht konforme Anzeigen

    Die Energieklasse muss in jeder Immobilienanzeige (Verkauf oder Vermietung) zwingend angegeben werden.

Wer darf den Energiepass erstellen?

Nur vom Wirtschaftsministerium zugelassene Sachverständige des Großherzogtums Luxemburg sind berechtigt, einen gültigen Energiepass auszustellen.

  • Certinergie Luxemburg

    Zugelassene Stelle unter der Nummer LUXEEB.R.00154, mit über 5 000 in Luxemburg erstellten Zertifikaten.

  • Prüfung möglich

    Die Liste der zugelassenen Sachverständigen ist auf Guichet.lu einsehbar.

  • +352 20 30 17 60

    Ein luxemburgischer Sachverständiger steht Ihnen für alle Fragen zu Ihrem Energiepass zur Verfügung.

Häufige Fragen

Ihre Fragen zum Energiepass

Die Energieklasse (A+ bis I) spiegelt den Primärenergiebedarf in kWh/m²/Jahr wider. Eine A+-klassifizierte Immobilie verbraucht nahezu nichts (≤ 0 kWh/m²/Jahr), während eine I-klassifizierte über 480 kWh/m²/Jahr liegt. Je näher an A+, desto sparsamer, komfortabler und wertvoller die Immobilie am Markt.

Die Primärenergie umfasst die gesamte verbrauchte Energie (Heizung, Warmwasser, Lüftung) und berücksichtigt den Wirkungsgrad von Erzeugung und Verteilung. Der Heizwärmebedarf misst nur die Energie, die zum Ausgleich der Wärmeverluste der Gebäudehülle nötig ist. Ein Gebäude kann einen guten Heizwärmebedarf (gute Dämmung), aber eine schlechte Primärenergieklasse (veralteter Heizkessel) haben.

Der luxemburgische Pass bewertet drei Dimensionen: die Energieeffizienz (Primärenergie), die Wärmedämmung (Heizwärmebedarf) und die Umweltleistung (CO₂-Emissionen). Ein gut gedämmtes, aber mit Heizöl beheiztes Gebäude hat eine gute Dämmklasse, aber eine schlechte Umweltklasse.

Ja, verfügt Ihr Gebäude über eine Photovoltaikanlage, wird die Solarstromerzeugung vom Primärenergiebedarf abgezogen und verbessert Ihre Einstufung. Der Sachverständige muss die Anlage und ihre Leistung beim Besuch überprüfen können.

Ja, das ist normal. Der Energiepass verwendet standardisierte Bedingungen (Standardklima, konventionelle Nutzung), um Gebäude vergleichbar zu machen. Ihr tatsächlicher Verbrauch hängt von Ihren Gewohnheiten, der Bewohnerzahl, der Solltemperatur und dem realen Klima ab.

Der Eigentümer riskiert eine Verwaltungsstrafe und die Transaktion kann sich verzögern, da die notarielle Urkunde ohne Energiepass nicht unterzeichnet werden kann. Zudem muss die Klasse zwingend in Immobilienanzeigen angegeben werden.

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